Forschung und Entwicklung in Deutschland

Nach den erfolglosen Versuchen der 1960er Jahre geriet die Neigetechnik in Deutschland in Vergessenheit. Stattdessen konzentrierte man sich auf Strecken Aus- und Neubauten für den Schnellverkehr bei Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr.

Als Ende der achtziger Jahre der Erfolg der italienischen Pendolino-Züge auch in Deutschland für Aufsehen sorgte, dachte man wieder an die Neigetechnik zurück.

Als prädestiniert für Neigetechnikzüge schienen die Strecken in Franken und der Oberpfalz auf denen der Verkehr wegen der schlechten Fahrzeiten immer mehr abnahm. Nicht ganz außer acht lassen darf man dabei allerdings, dass der damalige Verkehrsminister zufällig aus dieser Gegend kam. Um zu klären, ob das Vorhaben zu realisieren war, fanden Probefahrten mit einem italienischen ETR450 statt, dem mangels Oberleitung (und der unterschiedlichen Stromsysteme in Deutschland und Italien) eine Diesellok vorgespannt wurde. Diese Versuche mündeten schließlich in die "Pendolino"-Züge der Baureihe 610, die mit italienischer Pendolino-Technik ausgerüstet sind. In der Folge entwickelte auch Adtranz eine eigene Neigetechnik, die im Gegensatz zu der von FIAT nicht hydraulisch sondern elektrisch über Servomotoren angetrieben wird. Aber die mangelde Erfahrung machte sich bemerkbar und die ersten von Adtranz gebauten Neigetechnikzüge waren noch nicht wirklich ausgreift, so dass es Jahre dauerte bis die Baureihe 611 und ihr Nachfolger Baureihe 612 halbwegs zuverlässig funktionierten.

Für die Diesel-Variante des ICE T, entwickelte Siemens schließlich eine weitere elektrische Neigetechnikvariante, die auch zu einem Desaster werden sollte. Auch hier wurden nach zu kurzer Entwicklungszeit nicht alltagstaugliche Züge geliefert, die jahrelang mit ungewisser Zukunft auf dem Abstellgleis standen.

Durch die vielen Probleme mit Neigetechnikzügen hat ihr Ansehen in Deutschland stark gelitten. Zwischenzeitlich fuhren von fünf Baureihen nur zwei mit eingeschalteter Neigetechnik, nämlich die Baureihe 610 und der ICE T.

Man kann nur hoffen, dass die Neigetechnik nach Lösung der technischen Probleme wieder an das Anknüpfen kann, was ihr zu einem durchschlagenden Erfolg verholfen hat: Kürzere Fahrzeit, modernes Image und mehr Fahrgäste!